Mephisto, Faust, Gretchen- diese Namen hat man vielleicht schon einmal im Zusammenhang mit der Tragödie Faust I von Goethe gehört und es sind drei verschiedene Charaktere mit ihren ganz eigenen Eigenschaften. Deswegen fällt es einem zunächst schwer, sich vorzustellen, wie sie alle von nur einer Person alleine verkörpert werden sollen. Doch genau das schafft Steffen Schlösser seit einiger Zeit, wie auch am 12. Februar, als er zu uns ans OHG kam und dieses Werk aufführte.
Faust sei für ihn fast schon eine Leidenschaft, sagt er später und das merkt man ihm beim Spielen deutlich an. Er erzählt und spielt die Geschichte so locker und verständlich, obwohl es ein komplexes Stück ist. Besonders durch die interaktive Gestaltung gelingt es ihm, dass man gut zuhören kann und auch komplizierte Handlungsabläufe besser im Kopf behält. Durch unterschiedliche Akzente, Haltungen und Auftrittsweisen konnte man die Rollen schnell zuordnen, was für uns sehr beeindruckend war. Mephisto beispielsweise wirkt mit seinem hämischen Lachen und seinen spöttischen Kommentaren zwar nicht unbedingt liebenswert, war aber unter uns Schülern einfach wegen seinem einzigartigen Auftreten und der perfekten Inszenierung von Schlösser besonders beliebt.
Faust I ist unter anderem für seine ungewöhnliche und zugespitzte Handlung bekannt und man versteht oft nicht direkt, welche Botschaft uns dieses Stück mitgeben möchte. Auch das erklärte uns der Schauspieler in einer anschließenden Fragerunde anschaulich , gerade weil er es schon lange immer wieder aufführt, ohne seine Begeisterung daran zu verlieren. Für ihn war vor allem wichtig zu betonen, dass der Protagonist in Faust I nach immer mehr Wissen strebt, dieser Durst für ihn also unstillbar ist und das in gewissem Maße gut sei, jedoch sollte man dabei keine moralischen Grenzen überschreiten, nur um sich selbst zu verwirklichen. Außerdem sei es wichtig, immer wieder innezuhalten und zu schätzen, was gerade schon da ist, um die echten Momente wirklich erleben zu können.
Wir waren sehr begeistert und haben großen Respekt vor seiner Arbeit. So konnten wir erkennen, dass Faust nicht nur ein alter Klassiker ist, sondern er vor allem durch so eine Darstellungsweise lebendig werden kann.
Josefine Jarosch
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