Am Sonntagabend, dem 20. September 2026, begann für uns, die Russischklassen 9 und 10, das Abenteuer Schüleraustausch. Um 20:35 Uhr stiegen wir am Stuttgarter Busbahnhof in den Bus nach Bratislava. Auf der Nachtfahrt legten wir kurze Stopps in Augsburg, München, Utzenaich und Wien ein, bei denen wir aussteigen und uns etwas die Beine vertreten konnten. Gegen 6:30 Uhr erreichten wir schließlich Bratislava – überglücklich, aber auch ziemlich müde.
Nach dem Frühstück an unserer Partnerschule erkundeten wir zunächst die Umgebung und machten einen Spaziergang durch den Park. Anschließend fuhren wir mit dem Aufzug auf das UFO, die bekannte Aussichtsplattform und eines der Wahrzeichen Bratislavas. Von dort oben hatten wir einen beeindruckenden Blick über die Stadt und die Donau. Auf der frei zugänglichen Plattform ganz oben war es allerdings so windig, dass uns allen die Haare um die Ohren flogen!
Zurück in der Schule wurden wir herzlich begrüßt und durch die beiden Schulgebäude geführt. Obwohl die Schule kleiner ist als das OHG, fanden wir sie sehr interessant. Besonders ihre Lage mitten im Stadtzentrum fiel uns auf. Nach dem Mittagessen übernahmen unsere slowakischen Austauschschüler die Führung und zeigten uns ihre Stadt. Dabei erzählten sie uns spannende Dinge über verschiedene Sehenswürdigkeiten und Orte. Anschließend checkten wir in unserem Hotel ein, das uns allen sehr gut gefiel.
Am Dienstag stand ein besonderer Programmpunkt auf dem Plan: der Besuch des slowakischen Parlaments. Das Gebäude wurde in den 1980er-Jahren neben der Burg Bratislava errichtet. Nachdem wir die Sicherheitskontrollen passiert hatten, bekamen wir eine Führung und erfuhren viel über die Geschichte des Landes und seine Politik. Besonders interessant war der Blick in den Plenarsaal. Ähnlich wie im Deutschen Bundestag waren auch hier nicht immer alle Plätze besetzt. Trotzdem war es spannend, einen Ort kennenzulernen, an dem wichtige Entscheidungen für ein ganzes Land getroffen werden.
Am Mittwoch ging es für uns zunächst wieder in die Schule, wo wir am Russischunterricht teilnahmen. In der Mensa probierten wir das traditionelle slowakische Gericht „Svíčková na smetane“, das uns gut schmeckte. Am Nachmittag machten wir uns gemeinsam mit einigen slowakischen Schülern und ihrer Lehrerin auf den Weg zur Burg Devín. Sie liegt auf einem kleinen Berg und bietet eine fantastische Aussicht auf die Donau. Besonders beeindruckte uns der etwa 50 Meter tiefe Brunnen: Wenn man Wasser hineinschüttete, konnte man hören, wie lange es dauerte, bis es unten ankam. Außerdem besichtigten wir ein kleines Museum auf dem Burggelände.
Am Donnerstag besichtigten wir den Präsidentenpalast. Obwohl das Programm kurzfristig geändert werden musste, war die Führung ein echtes Highlight. Danach hatten wir frei und konnten Bratislava auf eigene Faust erkunden. So blieb genügend Zeit, die Stadt noch einmal individuell zu entdecken und eigene Eindrücke zu sammeln.
Auch am Freitag verbrachten wir den Vormittag in der Schule und beteiligten uns fleißig am Unterricht. Am Nachmittag besuchten wir die Slowakische Nationalgalerie. Dort erhielten wir eine Führung durch die Ausstellung moderner Kunst, die auf Russisch und Englisch stattfand. Anschließend wurden wir selbst kreativ: In einem Workshop stellten wir unsere eigenen Emotionen in Form eines Kreisdiagramms dar. Den Abend konnten wir wieder frei gestalten. Besonders beeindruckt waren wir von den riesigen Shopping-Malls der Stadt.
Während unseres Aufenthalts lernten wir nicht nur Bratislava und seine Sehenswürdigkeiten kennen, sondern bekamen auch spannende Einblicke in den slowakischen Schulalltag. Dabei stellten wir einige Unterschiede zu unserer Schule fest: Der Unterricht ist stärker mündlich ausgerichtet, und man muss sich nicht melden, um etwas zu sagen. Außerdem sind die Lerngruppen im Fremdsprachenunterricht mit etwa zehn Schülern deutlich kleiner als bei uns. In den übrigen Fächern sind die Klassen mit rund 26 Schülern ähnlich groß wie am OHG.
Am Albert-Einstein-Gymnasium in Bratislava gibt es einen bilingualen Zug mit Russisch als Unterrichtssprache. Die Schüler haben zwölf Stunden Russisch pro Woche. Außerdem dürfen sie iPads benutzen, und es gibt kein generelles Handyverbot im Unterricht. Auch die Ausstattung der Schule unterscheidet sich von unserer: Statt Kreidetafeln gibt es Whiteboards, die Sporthalle befindet sich direkt im Schulgebäude, und jeder Lehrer hat ein eigenes Lehrerzimmer. Gleichzeitig entdeckten wir viele Gemeinsamkeiten, etwa die Mensa, den Kiosk und die Spinde.
Am Samstag, dem 26. September 2026, hieß es schließlich Abschied nehmen. Nach einem späten Frühstück um 8:45 Uhr und dem Check-out machten wir uns mit dem Flixbus auf den Rückweg. Allerdings verlief die Heimfahrt nicht ganz nach Plan: Bei unserem Zwischenstopp in München fuhr plötzlich ein anderer Bus in unseren Bus und beschädigte dessen Rücklicht. Deshalb mussten wir eine Stunde auf die Polizei und den Unfallbericht warten. Mit einer Stunde Verspätung erreichten wir schließlich den Stuttgarter Busbahnhof, von wo aus sich alle auf den Heimweg machten.
Rückblickend war der Schüleraustausch ein großartiges Erlebnis. Wir haben viel über die Slowakei, ihre Kultur und ihr Schulsystem gelernt, neue Eindrücke gesammelt und Bratislava aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt. Vor allem die Begegnungen mit unseren slowakischen Austauschschülern machten die Woche zu einer besonderen Erfahrung.
Victoria Henning (10a)
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