Zwei Gymnasien auf dem Gletscher: Der Vernagtferner im Klimawandel

Wie schon seit über zehn Jahren gehen die NwT-Kurse der Klassenstufe 8 zum Schuljahresende auf den Vernagtferner ins Ötztal in Tirol. Diesmal durften wir, bedingt durch die veränderten Ferientage, am 22. Juli 2019 starten und waren am 25. Juli 2019 wieder zu Hause. Die diesjährige Gletscherexkursion fand erstmalig in Kooperation des Otto-Hahn-Gymnasiums mit dem Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth und der Universität Bayreuth statt. 

Nach einer längeren Busfahrt von zwei unterschiedlichen Orten trafen sich das OHG und das MWG im hintersten Ort im Tal, in Vent. Die Busse entließen zusammen mehr als 60 Schüler. Nach einer Einweisung über das Verhalten in der Gruppe und besonders dann während des Aufstiegs am Berg zur Hütte setzte sich die Karawane in Bewegung. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und nach etwa 30 Minuten Wanderung gab es für manch einen eine kleine Herausforderung, nämlich die Überquerung des Rofenbachs mittels einer 46m langen Hängebrücke über die 31m tiefe Schlucht. Der Boden ist mit Gitterrost belegt und lässt damit den freien Blick in die Tiefe zu. Mit gemeinsamer Unterstützung haben dann alle diese Herausforderung gemeistert und nach einer kurzen Pause zum Auffüllen der Wasserflaschen ging es weiter recht eben auf dem Fahrweg zur Versorgungsseilbahn der Vernagthütte ins Tal hinein. Nach dem Wegweiser zur Hütte begann dann der eigentliche Anstieg zur Hütte.Gletscher 1 Wie ein nicht enden wollender Lindwurm zog sich die Menschenkette die Serpentinen des Anstiegs in gemächlichem Tempo empor. Nach einer größeren Pause wurde ein großer Gletscherschliff überquert, es ging vorbei an einer Bergzerreißung und endlich kam die Vernagthütte in den Blick. Von da an sollte es jedoch noch gut eine Stunde dauern, bis wir alle auf der Hütte angekommen waren. Mehr oder weniger erschöpft vom etwa viereinhalbstündigen Aufstieg wurde erst einmal der Rucksack abgelegt und es erfolgte die Aufteilung auf die Schlafstätten, teilweise in der Hütte und teilweise im Winterlager, einer kleineren Hütte direkt nebenan, die auch im Winter für Tourengänger geöffnet ist. Nach dem gehaltvollen Abendessen war um 22 Uhr Nachtruhe angesagt.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück am Frühstücksbuffet traf sich die ganze Gruppe um 8:30 Uhr zur Gletscherwanderung hinter der Hütte. Nach einem kurzen Aufstieg über die gewaltige Seitenmoräne des Vernagtferners von 1850 erfolgte die erste informative Unterbrechung. Informationen über Eisseeausbrüche, Eisbewegungen und Kartierungen des Vernagtferners. Weiter aufwärts ging es dann über kleinere Schneefelder auf ein größeres Plateau, von dem aus wir den ersten vollständigen Blick auf den Vernagtferner hatten. Hier gab es dann die weiteren Informationen über das Zurückschmelzen des Vernagtferners und den Hintergründen über die Ursachen und Zusammenhänge der Temperaturänderungen ganz speziell im Vernagtgebiet. Ganz gespannt erwarteten nun alle die Überquerung der Gletscherzunge.Gletscher 2 PP Doch zuvor war etwa noch eine halbstündige Wanderung angesagt, bis wir den Rand der Gletscherzunge erreichten. Nach erfolgtem Sicherheitscheck der geplanten Überquerungsroute wurden dann in zwei Gruppen je zwei Ablationsmessstellen aufgesucht und mehrere kleine Gletscherbäche überquert. An den Messstellen konnten wir direkt den Dickenverlust von etwa acht Metern Eis innerhalb eines Jahres anhand der ausgeaperten Messtäbe erkennen. Obwohl die Überquerung noch am Vormittag stattfand, war es für ganz viele überraschend, wie viel Schmelzwasser schon vormittags über die Gletscheroberfläche abfließt.

 

 Dann erfolgte ein etwas anstrengender Anstieg zu einer größeren Pause. Vor etwa zehn Jahren war die gewählte Stelle noch teilweise vom Gletscher überdeckt, jetzt war es ein großer Bereich mit zwei kleineren Bergseen. Da uns das Wetter wohlgesonnen war und die Sonne aus dem blauen Himmel ihre Strahlen zu uns schickte, nahmen ein paar Mutige und Abgehärtete ein kurzes Bad im eiskalten Wasser. Nachdem der Hunger und Durst weitestgehend gesättigt und gestillt war, ging es weiter zu einer automatischen Wetterstation, die zusätzlich die Schneehöhe und den Dickenverlust des Gletschers automatisch misst und die Daten nach München zur Bayerischen Akademie der Wissenschaften schickt, wo die Daten online auf der Webseite für jeden einsehbar sind. Vor zehn Jahren war noch ein etwa zehnminütiger Marsch auf dem Gletscher notwendig, um diese Messstation zu erreichen, jetzt stand sie noch knapp 20m vom Gletscherrand entfernt. Diese Station wird dieses Jahr noch abgebaut werden, wie uns später mitgeteilt wurde. Auf dem Weg zu dieser Station mussten wir auch direkt erfahren, was das Auftauen des Permafrostbodens bedeutet. Vor einigen Jahren konnten wir noch gut über die Steine und den feinkörnigen Schotter laufen, dieses Mal sind viele zum Teil bis fast zu den Knien im aufgetauten Schlamm eingesunken. 

Nach der Messstation ging es am Gletscherrand entlang zum Gletschertor.Gletscher 3 PP Dazu musste der Gletscherbach durchquert werden. Nach kurzer Suche war eine passende Stelle gefunden. Die Mutigen gingen barfuß hindurch, Expeditionserfahrene hatten Badeschuhe dabei, die dann anstatt der Bergschuhe durch das Wasser trugen. So erreichten wir alle mehr oder weniger trockenen Fußes die andere Seite. 

Nachdem das beeindruckende Gletschertor bewundert und fotografiert wurde, durften wir erfahren, dass vor 5 Jahren diese Stelle, an der wir standen, noch von über 50cm dickem Eis bedeckt war. 

Weiter ging es abwärts, an einem gigantischen Gletscherschliff vorbei, weiter an einem nahezu idyllischen, kleinen Bergsee vorbei in Richtung Pegelmessstation. Von der Pegelmessstation aus, die ebenfalls eine Menge an Daten sammelt und nach München sendet, erfolgte dann wieder der Aufstieg zur Vernagthütte. Voller neuer Eindrücke in dieser faszinierenden Landschaft gab es noch etwas Erholung, bis dann das Abendessen auf den Tischen stand. Dann zur Nachtruhe waren alle auf ihren Zimmern und konnten sich für den nächsten Tag erholen.

Jetzt stand nach dem Frühstück das Treffen zum Gletscherpraktikum auf der großen Terrasse vor der Hütte an. Die Gruppen waren schon im Vorfeld eingeteilt worden. Jede Gruppe nahm sich die für ihre Praktikumsaufgabe erforderlichen Geräte, die zuvor am Aufstiegstag mit der Versorgungsseilbahn auf die Hütte transportiert wurden, und wir wanderten zu den Praktikumsplätzen, die alle in der Umgebung des kleinen idyllischen Bergsees lagen, der beim Abstieg am Gletschertag sozusagen links liegen gelassen wurde. Bei dieser Wanderung ging es wiederum an der Pegelmessstation vorbei, an der uns Professor Braun von der Bayrischen Akademie der Wissenschaften erwartete und die Arbeitsweise der Messstation erläuterte. Wir konnten auch hier viele Informationen aus erster Hand mitnehmen. Gletscher 4 PowerpointNachdem wir dann die Praktikumsstellen erreicht hatten, begann das emsige Treiben mit Messgeräte auspacken, Schreibstifte und Papier ebenso und das Verteilen im Gelände. Überall waren kleine bunte Farbkleckse unterwegs, die eifrig Daten sammelten. Wasserqualitäten wurden untersucht sowie Pflanzengesellschaften, Mineralien, Strahlungsstärken sowie Vermessungsarbeiten im Gelände wurden durchgeführt. Am späten Nachmittag waren wieder alle auf der Hütte, die Geräte und Materialien wurden wieder sortiert und abtransportfähig verpackt. Dann hatten alle Arbeitsgruppen eine Stunde Zeit, ihre Arbeiten präsentationsfähig vorzubereiten um diese dann vor der ganzen Gruppe auf der Hütte zu präsentieren. Da das Wetter immer noch sonnig und perfekt warm war, konnten wir die Präsentationen im Freien auf der großen Terrasse durchführen. Danach ging es recht zügig zum Abendessen und es blieb anschließend nicht mehr viel Zeit bis zur üblichen Bettruhe.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück hieß es Zimmer räumen und besenrein säubern, das Lager herrichten und den Müll zum Abtransport per Hand ins Tal fertig zu machen. Der Abstieg erfolgte etwas zügiger als der Aufstieg und um etwa 13:00 waren wir abfahrtsbereit. Wir waren nicht lange unterwegs, dann fielen dicke Regentropfen. Wir hatten ein paar wirklich gute Tage erwischt und durften auch eine Menge an Erfahrungen mitnehmen und mit einem anderen Gymnasium austauschen. 

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