Russland-Austausch: 22.09. – 02.10.2019

22.09.2019: Früh. Viel zu früh. Nachts. Kalt. 4:30 Uhr. Flughafen Stuttgart. Terminal 2. Bekannte Gesichter. Mehr davon. Komplett. Das Abenteuer kann beginnen! Es ist der Auftakt zum Russland-Austausch des OHG Böblingen. Am 22. September trafen wir uns, Schülerinnen und Schüler aus dem OHG der Jahrgangsstufe 10 und zwei J1-er, begleitet von Frau Bier und Frau Köppe, am Flughafen Stuttgart, um gemeinsam unser erstes Zwischenziel mit dem Flugzeug anzusteuern – Frankfurt. Eingecheckt und von unseren Liebsten verabschiedet, ging es sofort zur Sicherheitskontrolle. Entweder man hatte Glück und kam zügig durch oder es wurden einem sogar die Schuhe durchleuchtet. Wir schlugen uns tapfer durch und gelangten zielstrebig zum Gate 144. Ohne lange Wartezeit befanden wir uns in der Luft, Auge in Auge mit der aufgehenden Sonne. Und schon nach nicht einmal einer halben Stunde landeten wir wohlauf in der Stadt am Main. Gefühlt ein Wimpernschlag hat es gedauert, bis wir wieder über endlose Wolkenfelder schwebten, diesmal unserem lang ersehnten Ziel empor, Moskau. Drei Stunden lang, über Polen, Litauen und Weißrussland hinweg, endete der Lufthansa-Flug schließlich am Flughafen Domodedovo. Endlich! Moskau lag uns zu Füßen! Doch mit der Euphorie stieg parallel die Nervosität drastisch. Niemand wusste so richtig, was jetzt folgt. Ungewissheit machte sich breit. Wo sind unsere Austauschpartner? Sind sie nett? Werden sie uns mögen? Doch bevor wir unser Aufgabegepäck zu Gesicht bekamen, reihten wir uns in eine Schlange ein. Uniformierte Männer und Frauen an großen, stählernen Schaltern kontrollierten unsere Pässe und Visa, gingen mit strengem Blick unsere Einreiseformalitäten durch, stempelten, und ließen teilweise auch unterschreiben. „Woher kommen Sie? Was machen Sie in Russland? Wie lange bleiben Sie?“ Dann die Erlösung: Mit dem Pass sicher in den Händen öffnete sich die Pforte neben uns und wir gelangten in die gigantische Eingangshalle. Nun hatte die Aufregung ihren absoluten Höhepunkt erreicht. Telefonate hier, Gespräche da, unsere Lehrer waren in ständiger Alarmbereitschaft. Plötzlich näherte sich eine Gruppe von Personen. Zwei Männer, eine Frau und ein Mädchen. „Wer sind die?“ schwirrte uns durch den Kopf. Die Frau war eine Lehrerin, sie wurde von Frau Bier herzlichst in Empfang genommen. Das Mädchen hieß Mascha, sie war die erste russische Austauschpartnerin, die wir trafen. Begleitet wurde sie von ihrem Vater Ramsan und dem anderen Mann, sie führten uns zu zwei Geländewagen, dort wurde unser Gepäck verladen und die lange Fahrt vom Süd- zum Nordrand Moskaus startete. Während der eine Wagen sich mit Hupen und Überholen auf dem Standstreifen und Staus herumschlug, verfuhr sich der andere so sehr, dass er fast am Roten Platz vorbeikam. Wohlbehütet und sicher erreichten unsere freundlichen Fahrer schließlich unsere Partnerschule Nr. 1679. Von einer höchst motivierten Lehrerin wurde die Gruppe des als erstes angekommenen Transporters mit Kaffee und Tee versorgt, zudem trudelten die ersten Austauschpartner ein. Später stießen auch unsere restlichen Schüler dazu. Das Foyer der Schule füllte sich langsam aber sicher mit den Gastfamilien und zugleich mit einer außergewöhnlichen Herzlichkeit. Der Wohlfühlfaktor stieg und stieg immer weiter, und unsere anfänglichen Befürchtungen zerfielen in kürzester Zeit. Den restlichen Tag verbrachten wir dann in unseren Familien, manche gingen in Einkaufszentren, andere in Restaurants, andere wiederum blieben Zuhause. Für alle bildete dieser spannende und aufschlussreiche Tag den Grundstein für ein unvergessliches Erlebnis, hier in der legendären Hauptstadt Russlands, Moskau!

GEtränke 16 9

Nach unserer Ankunft in Moskau kamen wir am zweiten Tag direkt morgens in die Schule. Diese wurde uns von Lehrkräften gezeigt. Daraufhin trafen wir den Direktor, mit dem wir ein Kennenlerngespräch führten und uns einander bekannt machten. Er hat uns ein wenig über seine Interessen und Hobbies erzählt und uns ein Exemplar seines Buches geschenkt. Im Schulzentrum gibt es viele verschiedene Gebäude, die zum Beispiel einen Kindergarten, einen Sportplatz und ein medizinisches Zentrum umfassen.  Dort haben die Schülerinnen auch teils Unterricht und lernen verschiedene medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Danach hatten wir eine Schulstunde Unterricht, worauf dann das Frühstück folgte. Danach war das erste Mal Moskaustadttour angesagt, worauf sich alle sehr freuten. Wir waren zwar in Moskau angekommen, aber aufgrund der Müdigkeit und Erschöpfung haben wir dort noch nichts angeschaut. Unsere Exkursion wurde als Bustour durchgeführt, was alle freute, da das Wetter ziemlich kalt und windig war. Danach waren alle schon hungrig und so entschlossen wir uns, im Zentrum Moskaus im Food-Court eines Einkaufszentrums mit riesigen Spielzeugladen zu Mittag zu essen. Danach gab es noch einen kleinen Spaziergang im Zentrum. Nachdem wir den Tag so intensiv verbracht hatten, brauchten wir ein wenig Zeit zuhause und Entspannung. Diese wurde uns mithilfe einer „Teezeremonie“ gegeben, bei dem wir aßen, Tee tranken und uns unterhielten.

24.09.2019 : Am Dienstag waren wir morgens eine Stunde in der russischen Schule. Danach sind wir mit der U-Bahn an den Roten Platz gefahren, um eine Führung durch den Kreml zu machen. Dort angekommen mussten wir erst durch eine Sicherheitskontrolle. Im Kreml haben wir eine interessante Führung über die Geschichte des Bauwerks gehabt. Innerhalb der Anlage haben wir zusätzlich noch zwei Kirchen, die größte Glocke der Welt und die Schatzkammer angeschaut. Es war sehr beeindruckend, die russischen Schätze zu sehen. Man konnte sich den Wert von ihnen nicht einmal denken. Gegen Mittag besuchten wir die Waffenkammer. Dort konnte man alte Waffen und Rüstungen aus der Zeit der Zaren sehen. Außerdem wurden noch deren Kutschen und Schätze gezeigt. Man konnte auch die zahlreichen Geschenke, die den Zaren gemacht wurden, sehen. Anschließend gingen wir noch abends ins Theater. Es war ein Volkstheater und hieβ „Zolotoe kol’zo“. Die Stücke, die vorgeführt wurden, ähnelten vielmehr Musicals als „klassischen“ Theaterstücken. Bei einem Stück wurde sogar Teil des Publikums auf die Bühne gerufen. Wir fanden das Theater alle sehr interessant und lustig. Nach dem Theater sind wir zurück zu den Familien gegangen.

25.09.2019: Am Mittwoch, den 25.09.19, haben wir uns alle um 8.30 Uhr in der Schule getroffen und sind dann gemeinsam mit der Tramwaj und der Metro zum Roten Platz gefahren und sind über ihn zum Park Zarjadje gelaufen. Unsere Führung begann um 10.00 Uhr und uns wurden zu Anfang drei verschiedene Räume gezeigt: als erstes ein Raum mit vielen Mikroskopen, dann ein Raum mit Pflanzenklonen. Im nächsten Raum erwarteten uns einige Experimente, zum Beispiel leuchtende Fische und Luftballons mit Schwefelhexafluorid gefüllt, wodurch die Stimme tiefer wurde als man es mithilfe des Luftballons eingeatmet hat. Im letzten Raum wurde uns die Veränderung der Köpfe von Menschen anhand von Skeletten gezeigt. Danach wurde unsere Gruppe, aufgrund Platzmangels, in zwei Gruppen geteilt. Die eine Hälfte ging in einen kalten Raum mit Eis und die andere Hälfte ging in eine Pflanzenkoppel und danach wurde getauscht, sodass jeder alles sehen konnte. Nach all dem hatten wir eine Führung, die zuerst auf eine Brücke über die Moskwa führte und danach in ein unterirdisches Museum. Danach hatten wir Freizeit. Jeder war mit seinem Austauschpartner zusammen unterwegs und es haben sich kleine Gruppen gebildet, die dann zusammen unterwegs waren. 

Am 26.09.2019 stand der Besuch der Tretjakovgalerie und des Kolomenskoje Park an. Die Metro auf dem Weg zur Kunstgalerie war wieder einmal brechend voll, sodass man sich regelrecht „hineinwerfen“ musste, damit die gesamte Gruppe hinein konnte. Bei dem Verlassen unserer Zielstation „Lubjanka“ konnte man einen künstlerisch angelegten Garten bewundern, der uns auf die folgende Exkursion vorbereiten sollte. Allein das Gebäude der Tretjakovgalerie könnte man regelrecht als Kunstwerk bezeichnen, wenn es doch in seiner Gestaltung keine Seltenheit in Moskau darstellt: bunt und ein halbierter Zwiebelturm auf dem Dach. Bei der Leiterin unserer Führung handelte es sich um eine der russischen Gastmütter, die selbst den Beruf der Lehrerin ausübt und sich sehr gut in den Themengebieten Kunst und Geschichte auskennt. So erhielten wir eine exklusive Tour durch die Galerie und es wurden sehr interessante Hintergründe erläutert. In dieser Galerie befinden sich unter anderem die berühmtesten russischen Malereien überhaupt, wie etwa das Gemälde der drei Bärenjungen im Wald, das im Kleinformat auch im Russischraum des OHG anzutreffen ist. Nach diesem erkenntnisreichen Ausflug ging es weiter zum Kolomenskoje Park. Zwischen Bäumen und Sträuchern sind an diesem Ort die Überreste und Rekonstruktionen des Palastkomplexes anzutreffen, der einst als Zarenresidenz diente. Wir wurden durch eines der Gebäude geführt, das als Museum umfunktioniert worden war. Wie bereits in der Tretjakovgalerie, wurde die Führung auf Russisch wiedergegeben, dennoch erklärten sich manche Schüler, Lehrer und Eltern bereit, für die mit weniger Russischkenntnissen ausgerüsteten Schüler, zu übersetzen. Erklärt wurde die Geschichte des Ortes und die der verschiedenen Ausgrabungsstücke. Unser Rückweg führte uns entlang eines Gartens äußerst alter Bäume, unter denen früher die Schüler gelehrt worden waren. Die Bäume sollen einen positiven Einfluss auf die Lernfähigkeit der Unterichteten gehabt haben, was manche Lehrer zu inspirieren schien. Nach den heutigen interessanten Ausflügen ging es größtenteils zurück zur Schule per Metro und Straßenbahn, wo unsere Gastpartner auf uns erwarteten.

Am Freitag, den 27.09., waren wir in einem Weltraum-Museum und einem Ausstellungsgelände. Dort hatten wir eine Exkursion, bei der uns Teile der ersten Raumfahrzeuge, die ersten Raumanzüge und sogar die echten Hunde Belka und Strelka, die die ersten Hunde waren, die aus dem Weltall wieder zurückkehrten, gezeigt. Uns wurde erklärt, wie die ersten Raumschiffe gebaut wurden und wie sich diese schließlich zu den Raketen entwickelten, die heute verwendet werden. In dem Museum haben wir dann auch Mittag gegessen und sind dann in dem Ausstellungsgelände WDNCh noch etwas spazieren gegangen. Das Ausstellungsgelände war unglaublich schön und dort konnten wir dann auch neben den Fontänen und den Pavillons viele Fotos machen. Einige von uns sind dann später mit ihren Austauschpartner zu einem Volleyballspiel an einer Schule gegangen, da ihre Austauschpartner im Volleyballteam der Schule sind. Die anderen gingen dann mit ihren Austauschpartnern nach Hause oder spazieren. 

Das Wochenende verbrachten die Schüler bei den Familien. Jede Familie unternahm individuelle Ausflüge, die das Wochenende abwechslungsreich gestalteten: z.B.  der Besuch des Mausoleums, Moskquarium und Moskauer Staatscircus, Besichtigung von Moskau City und dem Maket von Moskau, einkaufen in den 2 Arbat Straßen, einen Kinobesuch, kochen mit Freunden, stöbern in der Bibliothek: Biblioglobus, Ausflug nach St. Petersburg und Stadttour durch Moskau. Moskau ist sehr vielseitig und bietet einem viele Möglichkeiten. Teilweise schlossen sich Gruppen zusammen und unternahmen etwas gemeinsam, wodurch auch die deutschen Schüler Zeit miteinander verbringen konnten. Trotzdem hatte man viel Zeit mit seinem Austauschpartner und der Familie und lernte sie besser kennen. Zusammenfassend kann man sagen es war ein gelungenes Wochenende mit viel Spaß und Freude.

Am Montag, den 30. Oktober, haben wir uns dann nach dem Wochenende in den Familien wieder morgens um 8:15 Uhr in der Schule zum Unterricht getroffen. Danach sind wir per Metro in die Stadtmitte gefahren. Wir sind über den Roten Platz zur Basilioskathedrale gelaufen und haben dort eine Führung bekommen. Wir lernten viel über die Architektur und die Geschichte der Kathedrale. Am Ende hörten wir dann noch einen Chor, welcher russische Volkslieder sang. Nach dieser Besichtigung sind wir zusammen in das berühmte Moskauer Planetarium gegangen. Zunächst hatten wir wieder eine interessante Führung durch das gesamte Gebäude und bekamen eine Auffrischung unseres Wissens über das Sonnensystem, bis wir dann endlich eine Stunde lang den Nachthimmel in der Planetariumskuppel betrachtet haben. Im Anschluss sind wir dann in unsere Familien gegangen und hatten noch einen schönen Abend zusammen.

Am Dienstag waren wir drei Stunden bei unseren Austauschpartnern im Unterricht dabei und schauten uns an, wie der Unterricht an der Schule abläuft. Einige Dinge unterscheiden sich stark zu unserem Unterricht. Die Schüler dürfen das Klassenzimmer, ohne vorher etwas zu sagen, verlassen, um auf die Toilette zu gehen, sie dürfen jederzeit an ihr Smartphone, die Schüler müssen sich nicht immer melden, um die Antwort zu sagen und werden öfter auch einfach so vom Lehrer aufgerufen. Dann haben wir uns mit den Lehrern am Eingangsbereich getroffen und sind zusammen zum Bus gelaufen. Dieses Mal hatten wir einen gemieteten Bus, darüber haben sich alle sehr gefreut. Wir sind gemeinsam zur Getränkefabrik „Очаково“ (Otschakawa) gefahren. Dort wurden wir von einer netten Exkursionsleiterin empfangen, die uns durch die Fabrik führte und uns erklärte, wie das russische Getränk Kwas hergestellt wird. Im Anschluss durften wir den Kwas und weitere Getränke probieren. Danach setzen wir uns wieder in den Bus und fuhren zurück zur Schule, von dort aus gingen wir wieder zurück zu unseren Gastfamilien. Den letzten Abend verbrachten wir alle zusammen beim Abendessen auf einem Schiff auf Moskwa-Reka (Moskaufluss). 

 Vasilios Stefanidis, Victoria Weiß, Niklas Gebert, Andreas Köppe, Jonas Bollinger, Annette Strohscherer, Jenny Walsh, Emily Weber, Jia Yi Gao, Piara Breidinger, Kristian Renner

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen