Lara 16 9

Ich wollte mich mal mit einem kleinen (vielleicht wird er auch etwas größer :-)) Bericht aus Canada melden.

Der Flug hierher war echt anstrengend, weil ich irgendwie 30 Stunden am Stück wach war, deshalb bin ich, als ich dann als ich endlich bei meiner Gastfamilie war, auch einfach nur noch ins Bett gefallen. In den ersten zwei Wochen ist dann nicht so viel Spannendes passiert, weil ich ja in Quarantäne war. Ich habe mich hin und wieder mit meiner Gastmutter unterhalten und gegen Ende durfte ich dann auch mal was kochen oder einen typisch deutschen Kirsch-Streuselkuchen backen :-). 

Beim Wocheneinkauf am ersten Tag nach der Isolation habe ich mich erstmal im riesigen Supermarkt verirrt (was mir übrigens immer noch passiert, der Walmart ist einfach zu groß, um nach dreimal Einkaufen oder so schon einen Überblick zu haben). 

Mein erster Schultag war sehr aufregend. Das Schulsystem hier ist ja komplett anders, unter anderem auch, dass man pro Quarter nur zwei Fächer hat. Bei mir startet es mit Englisch 10 und Bio 12, im nächsten Quarter habe ich dann Mathe 12 und Human Kinetics 12. Das Level ist niedriger hier, sodass ich zumindest in Bio überhaupt keine Schwierigkeiten habe in einen Kurs der 12. Klasse zu gehen. Zu Mathe und HumKin kann ich noch nichts sagen, das kommt ja erst im nächsten Quarter dran… Die Schule beginnt immer zwischen 9 und 9.15 Uhr, je nachdem welche Klassenstufe der jeweilige Kurs ist (daran könnte ich mich problemlos gewöhnen ;-)), endet um 11.55 Uhr und mit Corona ist es im Moment so geregelt, dass man jeden zweiten Tag Mittagsschule bis um 15.25 Uhr hat. Außerdem habe ich noch Outdoor Education als zusätzliches Fach außerhalb des normalen Stundenplans gewählt. Das ist auch total cool, im Moment bauen wir Tragen aus dünnen Baumstämmen, Schnüren und Seilen und lernen die Grundlagen zu Erster Hilfe in der Wildnis.

Am Mittwoch habe ich einen Bio Test geschrieben und ich war ziemlich überrascht, weil das total anders abgelaufen ist als in Deutschland. Bevor wir das "Quiz", wie Tests hier genannt werden, bekommen haben, haben wir erstmal 10 Minuten den Stoff und die Fragen vom Test wiederholt, also hätte ich theoretisch gar nicht viel lernen brauchen, aber nun ja. Das Quiz selbst war total einfach, weil man nur Lücken ausfüllen, Multiple Choice Fragen ankreuzen oder Stichworte schreiben musste, und das in Bio, wo man in Deutschland ja Zusammenhänge normalerweise in Texten beschreibt und erklärt. Es gab auch Aufgaben, die mit einer Frage oder "Describe..." formuliert waren, aber der Lehrer hat mich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich ja keinen Text schreiben soll, als er gemerkt hat, dass ich das vorhatte, weil er dann länger zum Korrigieren bräuchte. Ich habe ihn daraufhin wohl ziemlich überrascht angeschaut und er hat losgelacht. Aber das Beste kommt noch: Nachdem man dann abgegeben hatte, hat er direkt angefangen zu korrigieren (was bei solchen Aufgabenstellungen auch ziemlich schnell ging) und fast jedem den Test nochmal zurückgegeben und auf ein oder zwei Fehler verwiesen, die man dann noch verbessern konnte. Bei mir wars zum Glück nur ein Missverständnis mit der Sprache, andernfalls hätte ich mich einfach selbst geärgert, weil es echt nicht schwer war ;-). Letztendlich hatte ich dann alles richtig, aber bei dem Niveau, bzw. dem "Ablauf" war das auch kein Kunstwerk... Ach, und Quizzes kann man auch so oft wiederholen, wie man will, da werden nicht einmal Zahlen verändert. Und von den drei größeren "Exams" kann man dann eine nochmal schreiben. Und das alles in einem Grade 12 Kurs, mit dem die meisten Schüler Noten für ihren Abschluss sammeln! In der letzten Stunde hat jeder ein halbes Schafsgehirn bekommen und mit kleinen Zetteln sollten wir dann die verschiedenen Areale des Gehirns benennen, das hat mir auch echt Spaß gemacht ;-)

In Englisch gibt es jede Stunde eine 30-minütige Silent Reading Time, in der jeder einfach ein Buch mitbringt und liest. Für mich ist das ein Traum, weil ich sowieso ein absoluter Bücherwurm bin.

Die Schule selbst ist total schön, überall hängen (ähnlich wie bei uns) Bilder von jedem Abschlussjahrgang und die Wände sind bemalt oder irgendwie dekoriert, in der letzten Woche kamen zum Beispiel jeden Tag pinke und rote Herzen dazu, weil der Valentines Day hier stärker gefeiert wird als bei uns. Jede Highschool in Kanada hat ein eigenes Logo. Bei meiner ist es der Bär. Das kann man auch überall im Schulhaus sehen.

So viel zum Thema Schule, letztes Wochenende waren der Vater und die Stiefmutter von meinem Gastvater zu Besuch, den Großvater habe ich aber total schlecht verstanden, weil der so einen nuscheligen "Wischiwaschi Akzent" hat. Sonst verstehe ich meine Gastfamilie aber richtig gut! Dieses Wochenende fahren wir von Samstag bis Montag in ein Hotel, einfach um mal aus den gewohnten vier Wänden herauszukommen. Diesen Freitag ist schulfrei, da ist so etwas Ähnliches, wie ein pädagogischer Tag, der aber zumindest in diesem School District, vielleicht sogar in ganz British Columbia einheitlich ist, da bin ich mir nicht sicher. Mein Gastvater ist Lehrer (jedoch nicht an meiner Schule), und er muss da noch arbeiten. Am Montag ist dann BC Family Day, da ist also auch frei. Nächstes Wochenende habe ich vor, Skifahren zu gehen, das Skigebiet ist ungefähr eine Stunde entfernt.

Diese Woche war es echt kalt hier! Nachts ging es zum Teil unter -20°C und tagsüber wurde es zum Beispiel am Dienstag nicht wärmer als -17°. Manche Kanadier laufen aber trotzdem nur in T-Shirt, kurzer Hose und Sommerschuhen rum, während ich mit meinen zwei Paar Socken noch friere :-).

 Jetzt habe ich irgendwie doch mehr geschrieben als ich dachte... Ich wünsche euch nun erstmal erholsame Ferien und drücke die Daumen, dass sich die Corona Situation in Deutschland bald verbessert! Hier ist es deutlich besser, wie gesagt sind die Schulen offen aber auch alle Geschäfte, Restaurants, Hotels, ...

Viele Grüße aus Canada,

Lara Gericke

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