Neresheim 16 9

Interdisziplinären Wochenende der Stiftung Humanismus Heute

Ein Kloster. 12 Schülerinnen und Schüler. Drei Tage. Somit hätten wir alle Zutaten für das Seminar „Horizonte“ der Stiftung Humanismus Heute im Kloster Neresheim. Am 29.11.2019 zog es eine Schar von 12 Schülerinnen und Schüler aus ganz Baden-Württemberg in den kleinen Luftkurort auf dem Härtsfeld, Neresheim. Nach einer besonders freundlichen Begrüßung durch unsere beiden Betreuerinnen im Eingangsbereich des Klosterhospizes, ging es auf direktem Weg zum Mittagessen in einen äußerst prächtigen Speisesaal mit mindestens genauso prächtigem Büffet. Währenddessen wurden schon die ersten Kontakte geknüpft, die Atmosphäre war sehr herzlich und es herrschte eine ungewöhnliche Offenheit. Nach dem Beziehen unserer Zimmer im Martin-Knoller-Haus, das 50 m Luftlinie vom Kloster entfernt lag, kamen wir zum Wesentlichen: Entweder geteilt in zwei Gruppen oder im gemeinsamen Plenum diskutierten wir über die Ideengeschichte der Menschheit. Wie entwickeln sich für unsere Kulturgeschichte relevante Konzepte und Modelle in Dichtung, Philosophie und bildender Kunst? Wie prägen uns Vorstellungen innerhalb unserer Kultur? Dies betrachteten wir auf geisteswissenschaftlicher Ebene, und immer in Begleitung von Bildmaterial und Primärtexten antiker Autoren, aber auch neuzeitlichen Denkern und Schriftstellern. Nach einer interessanten, aufschlussreichen, aber auch anstrengenden Einheit, brauchten unsere bis an den Rand mit Informationen und Eindrücke gefüllten, kochenden Köpfe dringend Abkühlung. Und was beruhigt nachweislich die Nerven? Singen! Also ging es am späten Nachmittag noch in die verwinkelten und sehr verschachtelten Musikräume im Herzen des Klosters. Ob das singen von Mozart und Beethoven wirklich Spaß macht, lassen wir jetzt einmal unkommentiert, jedoch ist es eine wahre Kur für die Nerven, garantiert sogar! Der erste Tag endete schließlich mit einem himmlischen und zugleich reichhaltigen Abendbüffet, sodass wir wohl genährt und zufrieden zu Bett gingen. Der zweite Tag des Seminars gestaltete sich sehr identisch zum ersten. Einmal quer durch altgriechische Epen in Begleitung von Homer, Aristoteles, Platon, Pindar, Hesiod und Heraklit, über römische Gelehrte wie Cicero und Sallust, bis hin zu neuzeitlichen Größen bestehend unter anderem aus Nietzsche, Goethe, Kierkegaard, Heidegger und Kant. Diese Schriften bezogen wir so oft wie möglich auf heutige, umfassende Problemstellungen, aber auch auf gewöhnliche Alltagssituationen. Es ging nie darum, etwas Richtiges wiederzugeben, jeglicher Beitrag innerhalb der Diskussion war bereichernd und ideengebend, da ein Maßstab in Sachen Richtigkeit, auf diese Thematik bezogen, extrem schwer zu legen ist. Diese aufregende, voller Einflüsse geprägte Reise durch unser kulturelles und geistiges Ich wurde nur von drei Büffets, einer Kaffeepause, zwei Singstunden, und einem Ausflug durch ein Waldgebiet zum Lamahof des Klosters (Ja, ihr habt richtig gelesen, das Kloster besitzt Lamas) unterbrochen. Nun nahm der Tag langsam aber sicher Kurs Richtung Höhepunkt, dem Treffen mit einem waschechten Mönch der Benediktiner, der seit über 35 Jahren im Kloster Neresheim lebt, betet und arbeitet. Nach dem Abendmahl zogen wir uns warm an, da sich die Außentemperatur kaum von der in der Abtei unterschied. Von den beeindruckenden Gemäuern und kunstvollen Elementen der Abtei erschlagen, befanden wir uns auch direkt in einem prächtigen Nebensaal aus Stein und Marmor. Dort erzählte uns der lebensfrohe und freundliche Pater äußerst ausführlich über die Anfänge seines Zölibats, über sein jetziges Wirken und Schaffen im Kloster, und die alltäglichen Strukturen innerhalb der Ordensgemeinschaft. Nach einem guten Gläschen hauseigenen Saft und Uno in familiärer Atmosphäre im Klosterkeller neigte sich auch dieser Tag dem Ende hin. Nun, der letzte und einzige Sonntag des Seminars brach an. Er bestand aus dem Ausräumen der Zimmer, einem üppigen Frühstück, einer weiteren Diskussionseinheit und einer Singstunde, manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten spontan noch den Sonntagsgottesdienst. Die fast schon schmerzhafte Verabschiedung überstanden, zogen wir uns wieder in uns bekannte Winkel des Ländles zurück. Jeder von uns ist jetzt um eine Lebenserfahrung reicher, diese drei Tage waren voller Abwechslung und werden nie in Vergessenheit geraten. Ich empfehle dies jedem Schüler der sich auf etwas neuen einlassen will, und mit Neugier und Wissensdurst durch das Leben geht!

Besonderer Dank geht an dieser Stelle an meinen Klassenlehrer Herr Müsegades, mit dessen Empfehlung mir diese Chance zur Teilnahme überreicht wurde.

Bleibt neugierig!

Vasilios Stefanidis (10c)

 

 

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