DSC04805

Dass es tragisch enden würde, wussten die ca.120 Zuschauer, die am 14.2. (am Valentinstag!) in die Mensa des OHG gekommen waren, wohl schon vor Beginn der Aufführung. Links am Rand der Bühne wartete die noch leere schwarze Gruft mit den Grablichtern auf Romeo (Sandro Lamperti) und Julia (Julia Pußkeiler), die Liebenden, die sich dort auf dramatische Weise das Leben nehmen würden.


Bis es so weit kam, erlebten die Zuschauer eine spannende, emotionsgeladene und mitreißende Aufführung des Literatur und Theater-Kurses der Jahrgangsstufe 2 des Otto-Hahn-Gymnasiums.
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich Shakespeares Tragödie vorgenommen, um die in 1½ Jahren erlernten Theatertechniken anzuwenden. Die Inszenierung hatten sie selbstständig erarbeitet und erzählten Shakespeares „Romeo und Julia“ auf ihre Weise.
Die Aufführung kam mit einem schlichten Bühnenbild aus, das auf das Wesentliche reduziert war, und mit schwarzen Kostümen, die durch grüne bzw. rote Armbänder die Zugehörigkeit zu dem Haus der Montagues oder der Capulets anzeigten.
Die Personen wurden zum Teil verändert. So wurde aus Romeos Freund Mercutio die kämpferische Mercutia (Yasmin Borowski), aus dem Bruder Lorenz die Schwester Laurenza (Natalie Siebert) und das Familienoberhaupt der Montagues war Lady (nicht Lord) Montague (Sophia Reiser).
Bei der Erarbeitung des Stückes probierten die Schülerinnen und Schüler verschiedene theatrale Mittel und methodische Herangehensweisen aus.
So führte zum Beispiel eine Übung aus dem Unterricht dazu, den uralten Konflikt der beiden Häuser in einer kurzen Szene mit wenig Text darzustellen, in der sich die Akteure in kurzen Bewegungs-und Freeze-Sequenzen bedrohlich aufeinander zubewegen.
Der Ball, ausgerichtet von Julias Eltern, Lady und Lord Capulet (Janina Schmid und Lara Herberth), auf dem Julia eigentlich ihren künftigen Ehemann, den Grafen Paris (Simon Foof) kennenlernen soll, sich aber unsterblich in Romeo verliebt, erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler in einer Improvisation, bei der kein Text vorgegeben war.
Es war eine große Herausforderung, die Liebe auf den ersten Blick, den magischen Moment, darzustellen. Shakespeare tat dies mit einem Gedicht, die Gruppe entschied sich dafür, dies in einer Szene ohne Worte umzusetzen, nur mit Bewegung und Musik. Von da an entwickelt sich die Geschichte rasant weiter. In der romantischen Balkonszene verkündet Julia, dass sie Romeo heiraten möchte, worauf er gleich am nächsten Tag Schwester Laurenza überredet, sie zu trauen. Ebenso wie Laurenza versucht Julias Amme (Julia Varga) den jungen und ungestümen Liebenden zu helfen. Doch die Liebe der Kinder aus zwei verfeindeten Häusern steht unter keinem guten Stern und es kommt zu kämpferischen Auseinandersetzungen, bei denen sehr eindrucksvoll und ergreifend sowohl Mercutia, der aggressive Tybalt (Vincent Flemming), Julias Cousin, und der edle Graf Paris im Kampf ums Leben kommen. Leider geht Laurenzas Plan, Romeo und Julia mit Hilfe eines Trunks doch noch zusammenzubringen, schief. Und so kommt es, wie es kommen muss: Romeo und Julia, die im Leben nicht zusammenfinden können, nehmen sich in der Gruft das Leben. Ein wirklich tragisches Ende.
Für die Schauspieler/innen sowie Kursleiterin Heike Rathmann war es dennoch ein glücklicher Moment, als das Publikum mit großem und anhaltendem Beifall den berührenden Auftritt und die überzeugende schauspielerische Leistung aller Akteure würdigte.
Heike Rathmann

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen