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Ehemalige

Brief aus Indien
Hallo liebe Ex-Mitschüler, liebe Eltern und Lehrer,

tja, vor einem Jahr war ich auch noch am OHG und habe natürlich gerade kräftig aufs Abitur gelernt wie man es als pflichtbewusster Schüler auch tut (ich habe natürlich auch immer meine Hausaufgaben gemacht und alle wichtigen Stellen im Buch unterstrichen *Hüstel*)
Jetzt bin ich Indien. Genauer gesagt in West- Bengalen, einem Bundesstaat, der nur ein Drittel so groß ist wie Deutschland, aber ein bisschen mehr Einwohner hat. Wer jetzt die Indien-Karte vor Augen hat, muss nur in die obere rechte Ecke gehen, da wo der Ganges ins Meer fließt, da wohne ich.
Hingekommen bin ich mit dem Internationalen Freiwilligendienst (IJFD). Das wird vom Bundesministerium (BMFSFJ) unterstützt und damit können junge Leute sowas wie ein ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) in fast der ganzen Welt machen.
Der Sinn ist, dass wir wirklich ein Jahr lang mit den Menschen vor Ort leben und arbeiten. Schon jetzt habe ich tonnenweise tolle und wertvolle Erfahrungen gemacht.
Anna, meine Mitfreiwillige und ich arbeiten z.B. in einer Dorfschule als Lehrer mit (ja, liebe Kollegen, ich bin tatsächlich Lehrer geworden). Normalerweise sind dort nur 2-3 Lehrerinnen für 4 Klassen in 2 Räumen. Da sind wir ganz nützlich, trotz der Tatsache, dass da niemand Englisch spricht und wir kein Bengali (die Sprache hier). Ihr wisst ja, wie es ist, wenn der Lehrer in fremden Zungen spricht und man nicht versteht, was er von einem will. Tja, bei mir ist das wirklich so. Aber mit Händen, Füßen und einer Handvoll Bengali-Begriffen unterrichten wir erfolgreich Englisch und Mathe.
Außerdem wohne und lebe ich in der Gandhi Mission, die in einem mittelgroßen Dorf namens Daspur liegt. Es gibt viele tolle Sachen hier, z.B. ein Augenkrankenhaus, in das jeder für nur ca. 50 Cent gehen und sich untersuchen lassen kann. Außerdem werden viele Leute (Über 1800 im Jahr 2012) operiert, weil der graue Star (Trübung der Linse im Auge) sehr häufig ist. Wir haben moderne Technik und so ist das für nur 20€ möglich, von denen 10 € die Regierung zahlt. Das heißt, dass nur 10 € gespendet werden müssen, damit jemand, der es sich nicht selbst leisten kann, operiert wird, um der Blindheit zu entkommen.
In der Umgebung gibt es einen traurigen Rekord. Die HIV-Rate beträgt 14%. Deshalb gibt es ein Zentrum, in dem Betroffene Unterstützung bekommen. Über 1100 HIV-positive Menschen sind dort registriert, es gibt Beratung, eine Krankenstation, wenn es jemandem mal wirklich mies geht, Hausbesuche, Aufklärung und von der Regierung bezahlte Medikamente, die den Virus „schlafen legen“, also die Krankheit AIDS verzögern. Oft schenkt das den Menschen viele Jahre Lebenszeit.
Die 125 HIV-positiven Kinder frieren im Winter ganz besonders, weil der Körper schwach ist und sich nicht wirklich gegen Erkältungen oder Ähnliches wehren kann. Die SMV hat uns 10% (380 €!) und der Wichtel-AK nochmal 100 € gegeben, um diesen Kindern als Geschenk zusätzlich zu ihren normalen Klamotten Pullis und Mützen kaufen zu können. Oft gehören die Familien mit HIV nämlich auch zu den ärmeren Leuten.
Weihnachten hat da perfekt gepasst und so haben Anna und ich tonnenweise Deko gebastelt (nein, hier gibt’s das nicht im Supermarkt), aus Früchtetee, Mangosaft und Gewürzen einen leckeren Punsch zusammengebraut und die Geschenke nett verpackt.
Normalerweise feiert man Weihnachten hier in West- Bengalen auch nicht. Es gibt zwar wunderschöne hinduistische Feste wie Durga Puja, Diwali und viele mehr (und immer werden dazu leckere Süßigkeiten gegessen) aber die meisten der Gäste waren es nicht gewohnt, inmitten von Weihnachtsdeko mit Schneeflocken an den Fenstern, Sternen, die von der Decke hingen und dem Plakat eines Nikolaus zu sitzen. Es war ein wunderschöner Tag, ich habe (mit Übersetzer) erzählt, wie man bei uns in Deutschland Weihnachten feiert, dass es bitterkalt ist (hier wird es minimal 6 Grad kalt, auch echt eklig ohne Heizung), es gab ein leckeres Mittagessen für alle und einen Malwettbewerb für die Kinder.
Dann war Bescherung. Die Kinder bekamen die Pullis und ein paar ärmere Familien Decken. Alle haben sich riesig gefreut, auch weil es am Ende noch Kuchen für jeden gab. Dann wurde es Zeit für den Rückweg, denn es wird schnell dunkel und es gibt keine Straßenbeleuchtung hier auf dem Dorf.
Jetzt habe ich sehr viel über Menschen geschrieben, die weniger Geld haben. Deswegen möchte ich ein paar Dinge erklären. In meiner Zeit hier habe ich begriffen, dass die Bilder aus dem Fernsehen und dem Erdkundebuch von armen Menschen falsch sind.
Ja, einige haben weniger Geld. Aber man darf niemals nur die Armut in den Menschen sehen. Selbst wenn eine Familie auf dem Gehweg in Kalkutta lebt, sind sie doch wie jeder von uns auch. Wir alle lieben, lachen und weinen, kümmern uns um unsere Familie, machen Witze und haben Träume.

Auch wenn ich in Indien bin, möchte ich doch jeden an meinem Jahr teilhaben lassen. Es soll schließlich weniger dumme Vorurteile und Irrtümer in der Welt von morgen geben. Besucht mich doch mal auf meinem Blog www.fabianundindien.wordpress.com.

Ganz liebe Grüße aus Indien und den Abiturienten eine entspannte Prüfung! Ist schließlich „nur“ Abi...
Fabian

 

Sebastian Ambros in Lahore, Pakistan

Ich denke gerne an meine Zeit am OHG zurück, die vor bald fünf Jahren mit dem Abitur geendet hat. Gerne vor allem deswegen, weil ich es als eine bunte Schule erinnere, in der Schülerinnen und Schüler mit verschiedensten Hintergründen gemeinsam gelernt haben, und deren Vielfarbigkeit vielleicht auch Lust darauf gemacht hat, etwas mehr von unserer Welt zu sehen.

Schon seit längerer Zeit ist es vor allem der vom Islam geprägt Erdteil, mit dem ich eine Faszination verbinde, die mir auch zu der einen oder anderen Reise Anlass gegeben hat. Von Marokko über die Türkei bis nach Syrien war ich als Tourist unterwegs – bald mit dem Verlangen, einmal in einer dieser Gesellschaften zu leben, an dieser Kultur teilzuhaben, die uns manchmal fremd erscheint und doch so nahe ist. Die Gelegenheit dazu ergab sich unverhofft durch eine Hochschulpartnerschaft meiner damaligen Passauer Universität mit der Lahore University of Management Sciences (LUMS) in Pakistan.

Es wäre glatt gelogen zu schreiben, dass ich keinerlei Bedenken hatte, bevor ich mich in ein Land begab, das in unseren Breitengraden wohl vor allem als ein gescheiterter Staat angesehen wird, in dem der Terrorismus einen Rückzugsort hat und der nächste Krieg nicht fern ist. Doch vom ersten Tag an durfte ich mich eines Besseren belehren lassen.

Der Campus am Rande der Millionen-metropole Lahore, einstmals eine der Hauptstädte des mächtigen Reiches der Moguln, offenbarte sich als ein kleines Paradies mit ausgedehnten Gartenanlagen und den gedrungenen Backsteingebäuden der Universität. Kaum ein Tag verging, an dem man nicht als Fremder entdeckt worden wäre, aber nur um sogleich mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Auch die Universität bot ein Studienerlebnis sondergleichen. Ich lernte über Theologie, Recht und Kunst des Islam, über die Geschichte der islamischen Welt und auch Asiens und genoss immer wieder die tiefgehenden Diskussionen mit Studierenden, sei es über ganz Privates oder über das Leben in einem Staat, der so krisengeschüttelt ist wie Pakistan.

An dieser Stelle könnte man viel schreiben über politische Zustände, die für uns Mitteleuropäer kaum mehr vorstellbar sind, und zwangsläufig müsste man zu dem Schluss kommen, dass in diesem Land und dieser Region etwas gewaltig schiefläuft. Das kann man aber auch in der Zeitung lesen. Deswegen möchte ich viel lieber gestehen, welche Demut und Bewunderung es in mir erzeugt hat zu erleben, mit welcher Größe die Menschen in diesem Land leben. Direkt unangenehm wurde mir der gelegentlich gezogene Vergleich zu einem notorisch unzufriedenen Deutschland und Europa, in dem Maßlosigkeit und Individualismus oft Kälte und selten Glück hervorbringen. Wie sehr genoss ich die Abendessen in großer Runde, in der so selbstverständlich geteilt wurde. Wie dankbar bin ich, für die Tage in der Familie eines guten Freundes, in der drei Generationen füreinander sorgen und in der ich trotz Strom- und Wasserausfalls Gast war, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres. Wie unerwartet wohltuend wurde es mit der Zeit, sich ein einzelnes Zimmer mit einem lieben Menschen zu teilen, und wie schön war es, mit ihm und den zwei anderen Austauschstudenten sein Dorf im Herzen der Provinz Punjab zu besuchen, wo hinter weiten Zuckerrohrfeldern die rote Sonne am dunstigen Horizont verschwindet.

Ich kam mit vielen Fragen nach Pakistan – mit noch viel mehr habe ich es wieder verlassen. Doch auch wenn sich in der Erinnerung manches verklärt, auch wenn dieses Land und seine Gesellschaft einem manchmal Tränen in die Augen treiben, so werde ich doch nie die Herzlichkeit, Offenheit und Menschlichkeit vergessen, mit denen ich allerorten bedacht wurde.

Sebastian Ambros

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