• Beuron 2010

Beuron 2010 - Meditations- und 5-Sterne-Aufenthalt

„Warum war das Licht während der Meditation aus?“ „Weil`s nicht an war!“ – Nicht nur in diesem Falle überzeugte unser Instruktor Dr. Wolfgang Siepen mit lockerem Wortwitz, sondern er schaffte es, neue Erfahrungen und nützliche Weisheiten spaßig und interessant zu verpacken und trug damit zu einem großen Teil dazu bei, die vier Besinnungstage im Kloster Beuron für die 16 mitgereisten Schüler zu einem gelungenen Erlebnis zu machen.

Am Dienstag, den 9. Februar ging es für die Gruppe, bestehend aus 15 Schülern und lediglich einem Mädchen der Klassenstufe 12, unter der Obhut von Herrn Gfesser am Böblinger Bahnhof los. Allesamt waren wir gespannt, was uns die nächsten Tage erwarten würde, denn Kloster und Meditation waren bisher doch noch recht unbeschriebene Blätter. „Wird es etwas Genießbares zum Essen geben? Wo wird geschlafen? Kann man in einem wahrscheinlich doch sehr alten Klostergemäuer überhaupt seine Ruhe finden? An wie vielen Gottesdiensten muss teilgenommen werden? Schaffe ich es, bei den Meditationen still zu halten?“, um nur einige der ungeklärten Fragen aufzuzählen. Doch die später gefundenen Antworten sollten jeden überraschen …

Angefangen bei der Einrichtung des Klosters: Die modernen sanitären Anlagen, der mit einem Fernseher ausgestattete Aufenthaltsraum (exklusiv für unsere Gruppe!) die beiden Schlafräume mit komfortablen Betten und viel, viel Platz erinnerten an eine bessere Jugendherberge. Auch die 24-Stunden-Vollverpflegung ließ nichts zu wünschen übrig: morgens ein Frühstücksbüfett, mittags ein komplettes 3-Gänge-Menü, zwischendrin Kaffee und Kuchen und zum Abendessen Leckereien wie selbstgemachter Fleischsalat oder Käsebrote. Insbesondere Herr Gfesser blühte hier auf, war er doch von den vorherigen Jahren etwas anderes gewöhnt. Mit dieser leiblichen Stärkung konnten die meditationstechnischen Teile des Tages bestens in Angriff genommen werden.

Bereits am Dienstag Abend startete das Meditationsprogramm voll durch: Nachdem sich der „Meister“ unserer Gruppe als „Wolfgang“ vorgestellt und kurz etwas über sich selbst preisgegeben hatte, folgte eine rasche allgemeine Anleitung für uns Meditationslaien über Rituale, Sitzhaltung, Ablauf etc., sodass wir dann schon unsere buchstäblich erste Sitzung hatten. Dabei saß man –vorerst noch für 10 Minuten – auf seinem Hocker und seinen Knien, um anschließend (auch zur Lockerung der Beine) meditativ zu gehen. Dann musste man noch einmal die gleiche Zeit sitzen, bis der erlösende Gong kam. Die Sitzzeiten wurden im Laufe der Tage regelmäßig aufgestockt und erreichten am Ende selbst die 25-Minuten-Marke, was man sowohl in den Beinen, aber auch in seinem aufgewühlten Innenleben spüren konnte, denn das lange Sitzen führte bei fast allen Teilnehmern zu innerlichen Aggressionen auf den wohl masochistisch veranlagten Meditationsleiter. Aber gerade diese Aggressionen, so teilte uns Wolfgang mit, galt es zu bekämpfen.

Und dabei sind wir beim Sinn und zugleich beim Anspruch der Meditation: Zentrum der Meditation ist das Sich-auf-sich-selbst-Einlassen und das Sich-nur-um-sich-alleine-Kümmern, um alles loslassen zu können und einfach nur da zu sein. Das Beste daran war, dass es wirklich half. Man fühlte sich nach einigen Meditationseinheiten frei von jeglichen Problemen und Zwängen, ausgeruht, trotz wenig Schlaf, und vor allem geistig-psychisch ausgeglichen.

Doch lernten wir innerhalb unserer Aufenthaltszeit noch weitere Formen der Meditation kennen, sodass immer wieder neue Herausforderungen für uns aufkamen, die es zu bewältigen galt. So „gaben“ wir jeden Abend zum Schluss „den Tag ab“, indem wir gemeinsam in der Meditationshaltung den „Om-Ton“, den Ur-Laut des Universums, von uns gaben und einen durchdringenden Klang erzeugten. Auch standen mindestens einmal am Tag Liegeeinheiten auf dem Plan, worüber es stets nur eine Meinung gab: vom Feinsten! Auf dem Rücken liegend und den „Anleitungen“ von Wolfgang lauschend, sollten wir in einen tranceähnlichen Zustand verfallen, um dabei unbewusst-bewusst etwas über uns selbst zu erfahren. Jedoch passierte es des Öfteren, dass die Entspannung zu mächtig wurde und man kurzzeitig einschlief. Nach diesen Einheiten wurde recht unterschiedlich fortgefahren: Immer wurde das Erfahrene besprochen und professionell „ausgewertet“. Manchmal hielt man das innerlich Erlebte aber auch schriftlich fest, um sich des Problems noch deutlicher bewusst zu werden. Teilweise ging es darum, zu einer Frage Lösungen und Antworten zu finden – und sei es auch nur mit Hilfe zweier Wörter oder eines Bildes. Eine weitere Herausforderung stellte die Verwendung von Tennisbällen dar, auf die man sich (wie ein indischer Fakir) zu legen hatte. Die Aufgabe war, diese gelbrunden „Fremdkörper“ gar nicht zu beachten, sondern weiter in Ruhe zu liegen.

Dementsprechend gestaltete sich die Meditation trotz des häufigen Sitzens als abwechslungsreich und sehr interessant. Unter der Leitung von Wolfgang, der uns immer wieder Verbesserungsvorschläge z. B. zur Sitzhaltung anbot, schaffte es auch jeder Teilnehmer, sich auf die Meditation und damit auf sich selbst einzulassen und auf jeden Fall persönliche „Erfolge“ zu verbuchen.

Doch gab es für uns noch mehr zu erleben, z. B. führte eine kleine Wanderung durch den angrenzenden Wald zur „Beuroner Lourdes-Grotte“. Eine riesige Schneeballschlacht gehörte genauso zu unseren Meditationstagen wie ein Diavortrag von Wolfgang über seine Reisen zum heiligen Berg Kailash und nach Tibet.

Lediglich einmal besuchten wir einen Gottesdienst, was jedoch weniger einen religiösen Hintergrund hatte als vielmehr den, die eindrucksvolle Klosterkirche gesehen zu haben und unsere Gastgeber (Benediktiner-Mönche), mit denen im Grunde kein Kontakt bestand, bei ihren gesungenen Gebeten (Gregorianik!) erlebt zu haben. Auch die zu kurzen Nächte sollten nicht unerwähnt bleiben, bildeten sie doch zum stillen meditativen Tagesverlauf ein Gegengewicht und förderten das ohnehin schon tolle Gemeinschaftsgefühl zusätzlich. Eskalationen oder Zwischenfälle gab es keine, sodass Herr Gfesser und Wolfgang sich zum Schluss in keinster Weise beschwerten.

Insgesamt waren die Rückmeldungen über die Meditationen und Wolfgangs Leitung bei der Fazitrunde am Freitag bis auf kleinere Kritikpunkte ausschließlich positiv und auch von seiner und Herrn Gfessers Seite wurde Lob an die tolle Gruppe ausgesprochen. Vor allem die Tatsache, dass jeder bereit war, sich wirklich nur auf sich selbst einzulassen, erfreute und überraschte ihn gleichzeitig, denn dies sei nicht immer der Fall gewesen.

Die Besinnungstage im Kloster Beuron kamen also bei allen Teilnehmern gut an, denn neben Spaß und Geruhsamkeit nahm jeder noch etwas Lehrreiches für sich mit. So gelungen hatte sich keiner die vier Tage im Vorhinein ausgemalt. Deswegen die Bitte an Herrn Gfesser: Wenn im nächsten Jahr noch ein paar Plätze frei sein sollten, dann bitte bei uns anfragen! Denn wir kommen jederzeit nochmal gerne mit.

Im meditativen Sinne: Ooooooooooommmmmmmmm.

Patrick Friedrich (Klasse 12)